Opus vs. Laibach: About Life

30 Jahre “Live is Life”: Ein Parallelinterview mit Ewald Pfleger (Opus) und Laibach über gute Songs, den Zeitgeist und ihre Euro-Vision.

Wann und in welcher Situation genau habt ihr das erste Mal „Leben heisst Leben“ von Laibach gehört?

Ewald Pfleger: Wir hatten gerade einen Live-Gig, irgendwo ich glaube in Deutschland. Da kam einer unserer Techniker und erzählt uns von dieser Coverversion von Laibach. Wir wunderten uns etwas, da wir zuvor nicht kontaktiert und gefragt wurden.

Sind „Leben heisst Leben“ – bzw. „Opus Dei“ in der englischen Version – gute Songs? Warum? Warum nicht? Was genau findet ihr (nicht) gut?

Die musikalische Message dieser Version ist ja eher destruktiv und nicht unbedingt positiv im Gegensatz zu unserem Orginal, wobei ich annehme, dass diese Stimmung nicht ganz ernst gemeint ist. Man vermisst aber das nötige Augenzwinkern dabei. Die Band Laibach ist ja eine sehr politische Band, die ihre Message scheinbar sehr erst nimmt bzw. überzeichnet.

Was ist euch durch den Kopf gegangen, als ihr die Laibach-Version das erste Mal gehört habt?

Ja, zuerst diskutierten wir ein etwaiges Verbot der Veröffentlichung, aber wir kamen davon ab und ließen den Dingen freien Lauf. Die Version von Laibach kann man unter dem Aspekt künstlerische Freiheit durchaus genehmigen.

Habt ihr den Song danach noch öfter gehört?

Nein, weniger, ab und zu kommt uns das Video auf YouTube unter.

Habt ihr versucht, Kontakt mit Laibach aufzunehmen? Habt ihr rechtliche Schritte überlegt?

Nein wir haben nicht mit ihnen Kontakt aufgenommen, da wir uns auch entschieden haben, keine rechtlichen Schritte gegen diese Aufnahme zu unternehmen.

Live is Life“ wurde von Ihnen getextet, musikalisch war es offenbar ein Gemeinschaftskomposition aus Anlass des 11. Bandjubiläums, das ihr am 2.9.1984 in Oberwart mit einem Konzert gefeiert habt. Wie genau war der Enstehungsprozess?

Es ist bei Opus so, dass wir, da alle Mitglieder Songs schreiben, die Komposition aufteilen (damals durch 5) und den Text behält der Orginalkomponist und –texter zur Gänze. D.h. „Live Is Life“ ist mein Song, aber meine Kollegen sind alle an den Tantiemen beteiligt. Der Titel entstand 1984 für unsere geplante 1. Live-LP und war als Mitsing-Song und Titelsong für die 5000 Fans im Oberwarter Stadion gedacht, wo das Live-Album anlässlich unseres 11. Geburtstags („Eleven“ ist ja unsere Glückszahl“) aufgenommen wurde. Im Sommer 1984 machte ich dann eine Demoaufnahme von dem geplanten Titelsong und bei den Proben für das Oberwarter Konzert arrangierten wir gemeinsam „Live Is Life“, das dann am 2. September 84 zur Uraufführung kam.

In einem Werbespot für eine niederländische Biermarke, der gerade veröffentlicht wurde, wird eine fiktive Entstehungsgeschichte von „Live is Life“ unterstellt. Demnach hat erst eine Runde Bier den Kreativstau bezüglich des Refrains beseitigt. Frühere Versionen: „Life is a rocky road“ oder „Life is a cosmic symphony“. Was ist daran wahr?

Diese Geschichte ist für den TV-Spot frei erfunden aber jedenfalls sehr amüsant. Die Holländer haben dafür extra eine Band in Wien gecastet, die Opus dargestellt hat und die in dem holländischen Spot auch wienerisch (!) sprechen. Die Filmaufnahmen entstanden 2007 teilweise in Tschechien, da man das Graz 1984 authentisch nachempfinden wollte.

Im TV-Spot passiert noch etwas anderes – und zwar wird euer Refrain eigentlich zu „Life is Life“ verfälscht. Das ist wieder ganz nahe an Laibach. War das gewollt?

Nein das war nicht unbedingt Absicht. „Live Is Life“ ist eigentlich ein Wortspiel, das beim Singen nicht richtig rauskommt. So diskutieren die Fans heute noch z.B. in diversen Internetforen die richtige Schreibweise des Titels.

Was bedeutet „Live is Life“ überhaupt?

Für uns bedeutet „Live Is Life“: Auf der Bühne stehen und unsere Musik machen zu können ist unser Leben!

Ihr habt in späteren Jahren noch eine „Opera“-, eine weitere Rock-, eine Reggae- und eine Reggaeton-Version von „Live ist Life“ veröffentlicht? Warum?

Wie man weiß, wird eine Band, je länger sie besteht, immer wieder auf den wichtigsten Song angesprochen bzw. leider reduziert, deshalb haben wir schon einige Versionen unseres Hits arrangiert und sowohl live als auch auf Tonträger dargeboten. Auch um nach 30 Jahren uns und den Fans Abwechslung zu bieten und um zu zeigen, daß der Welthit in verschiedensten Interpretationen funktioniert!

Warum ist euer Original besser als die Laibach-Version?

Musik ist ja, Gott sei Dank, Geschmacksache, also wenn manche die Laibach-Version bevorzugen, dann ist das ihr volles Recht. Objektiv betrachtet sprechen die Millionen verkaufter Einheiten vom Orginal wohl für sich. Diese Popularität hat Laibachs Cover bei weitem nicht erreicht.

Ihr schreibt auf eurer Website auch, dass keine der rund 30 Covers, die es von der Nummer gibt, „in ihrer Intensität an das Original herankamen“. Und dass es „nur eine Frage der Zeit (sein kann) bis eine neue Ultimative Version den Zeitgeist trifft“. Was ist denn der Zeitgeist?

Mittlerweile gibt es ja bereits über 150 Covers (wir müssen das noch auf der Homepage korrigieren), von denen keine die Power vom Orginal erreichte. Da Popkultur ständige Verjüngung bedeutet, ist entscheidend, dass jemand den Titel mit den heutigen Sounds und eine(r)m jungen (angesagten) Interpret(in)en für das ständig auf was Neues wartende Publikum produziert. Dann hat man die Chance, den Zeitgeist zu trefffen und damit eine millionenfache Zuhörerschaft zu erreichen. Ob das für einen Evergreen reicht (denn auch nach 30 Jahren ist „Live Is Life“ ja noch immer angesagt), ist eine andere Frage!

Live is Life“ bringt zum Ausdruck, dass Opus immer eine sehr starke Live-Band war. Was bedeutet es für euch, „live“ zu spielen?

Wenn du mit deiner eigenen Musik bei Live-Gigs (immer noch) viele Menschen begeistern kannst, so ist das für uns die Bestätigung, dass wir auf unserer musikalischen Linie nicht ganz daneben liegen. Denn komponieren, texten, arrangieren, im Studio recorden ist nur die Pflicht, während live vor Publikum die Kür darstellt, wo man dann den Erfolg einfahren kann.

Im offiziellen „Live is Life“-Video aus 1985 tritt Opus auch in zwei weiteren Inkarnationen auf – als Hillbilly- und als Rocker- oder Punkband verkleidet. Wollte Opus immer eine Band sein, auf die sich alle einigen können?

Das war damals die Idee von Anders Stenmo (Ex-EAV-Mitglied), dem Video-Regisseur, aber tatsächlich haben wir als Band viele Einflüsse zugelassen – von der Klassik bis zum Westcoast-Sound, von den Beatles bis zu Supertramp und Toto.

Habt ihr euch jemals das „Life is Life“-Video von Laibach angesehen?

Ja das kennen wir nun schon genau

Mit „Live ist Life“ ist Opus ein Welthit gelungen, an den danach schwierig anzuschließen war. Wie ist es der Band mit diesem Erfolgsdruck gegangen?

Als Band aus Österreich hatten wir nicht die breite Unterstützung, ein vergleichbares Netzwerk wie amerikanische oder englische Bands. Deshalb haben wir einfach unseren eingeschlagenen Weg fortgesetzt, wohl wissend, dass ein Erfolg wie mit „Live Is Life“ kaum wiederholbar sein wird.

Anders als zum Beispiel Laibach hat sich Opus nie mit politischen oder gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigt. „Whiteland“ aus 1987, ein Greenpeace-Benefiz, ist vielleicht die einzige Ausnahme. Warum?

Das haben wir schon. Beim Album „Opusition“, welches 1984 erschien, kamen einige gesellschaftspolitische Themen zum Tragen. Das „George Orwellsche“ Jahr 1984 inspirierte uns zu diesem Album, wo wir eine fiktive Partei, die „gelbe Opusition“ beschrieben, die mit unlauteren Mitteln an die Macht kommen wollte. Heute ist „Big Brother is watching you“ äußerst aktuell. Kurt Rene Plisnier war bei den „Yellow Fellows“ von „Opusition“ die treibende Kraft, er ist auch der Komponist von „Whiteland“, dessen Einnahmen wir damals Greenpeace spendeten.

Ihr habt eure Musik einmal als „Europop“ bezeichnet. Was müsste man denn für eine Nummer komponieren, wenn man heute beim Eurovisions Song Contest gewinnen wollte?

Das haben wir nicht! Europop ist eine gewisse Stilrichtung der Popmusik der 80er, angeführt von Modern Talking und wird vorallem in Rußland für diese Zeit in der auch wir populär waren verwendet. Für ein Songcontest-Siegerlied gibt es kein Rezept, da die Abstimmung äußerst politisch verzerrt wird.

Was ist eure „Euro-Vision“?

Das Zusammenleben, die Neuaufnahme und Vermischung vieler Völker und Kulturen

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When and in which context did you first hear Opus´ „Live is Life“?

Laibach: The song was constantly everywhere on the radios in 80’, it was impossible not to hear it.

Did Slavko Avsenik, who worked with you – among others – on the album “Opus Dei”, know Opus from his time in Graz, where he had studied jazz piano until 1981?

Not personally.

Is „Live is Life“ a good song? In which way? / Why not?

It’s a good and well made pop song otherwise it wouldn’t be so immensely popular. Do we like it? No. Do we like Laibach’s version? No. Do we trust our taste? No.

Next to Queen´s „One Vision“ – which you turned into „Geburt einer Nation“ – the song was among the first of very many in the years to follow you chose for „assimilation“ into your opus. Was it the first? What made you choose this song?

Mainly the subliminal content of the lyrics and Freddy Mercury’s moustache. But it wasn’t the first we assimilated. The first one was actually Holst’s poem Mars (from the Planets), which we turned into a song called Panorama and it was released on our Nova Akropola album (Cherry Red Records, 1986).

Laibach once stated that it doesn´t „cover“ other songs but instead creates „new originals“. Do you remember the specific creation/composition process for „Leben heisst Leben“ resp. for the English version „Opus Dei“ („Life is Life“)? How often have you listened to Opus´ song?

We’ve heard the song many times before we started to listen to it and before we realized that it is actually a perfect song to remake. We decided to do a version in English language to justify the powerful ‘philosophical’ lyrics and we also wanted to create a version in German, just to hear how it would sound in German if Opus would do it right.

Your German text for „Leben heisst Leben“ introduces new vocabulary into the song structure – „Fest“, „Schmerz“, „Land“ and „Tod“. And you completely eliminated the „Live“ from title and refrain. Why?

Because life is live by definition.

What does „Life is Life“ mean at all?

It means what it means, there’s no mystery to it; life is life (live) and death is death. Opus could not be more clear and precise about it even if they maybe did not know what they were singing about.

Why did you produce two versions?

Because life is too complex for a singular interpretation.

In which way is your song better than the original?

We never said it’s better; it’s just a different song, different interpretation.

In their song Opus celebrate the moment of performing live, when band and public sort of „become one“. How is this different from Laibach´s live-practice of, as the band once stated, „sound/force in the form of a systematic (psychophysical) terror as therapy“?

No difference at all; Opus are practicing exactly what we are preaching.

Did you ever see the original Opus-video?

Yes, it’s very convincing and it is clearly showing what can happen to a skeptical mind, when caught in mass hysteria. We know similar situations from the history. And it also brilliantly shows the power of pop culture, the power of music, the power of a good song.

Opus landed a world-wide hit with „Live is Life“ (15 Mio singles and 2 Mio albums sold), later albums would not repeat this success. A parallel to „Opus Dei“?

Not at all; we’ve sold some later albums better than we did Opus Dei. It is also impossible to compare record sales from 30 years back with the situation today, when even the biggest names on the scene are selling 10 times less than they used to do. Having that in mind we are proportionally still selling approximately the same amount of albums as we used to.

There is no „new original“ on your new album „Spectre“. Why not? Has the concept worn out?

We still love to do remakes (and you can find two such remakes also on Spectre – extended version: „Love on the Beat“ by Serge Gainsbourg and „See That My Grave is Kept Clean“ by Blind Lemon Jefferson, but on this album we are simply dealing with different issues and perspectives.

The new album is about „The Whistleblowers“, „Koran“ or „Eurovision“. Where does your sudden interest in concrete political problems come from?

We were always interested in politics and now we have only expanded our interest a bit deeper. We live in times when we should all get more involved in the general social and political situation and do what we can to change it to a better one.

There also seems to be more popular culture assimilated in you work than before – e.g. Star Trek in „Resistance is futile“. And your „militancy“ seems to be less „German“. An overall, soft Laibach-relaunch?

We were incorporating motives from popular culture and films in our work before and ‘militancy’ is not only a German privilege. And also – Laibach is not only about militancy – where did you get this idea from?

What does that mean for your live-performances? Do live-performances still make sense at all? How?

They make sense for us and they obviously make sense for the audience, coming to our shows. You can’t do everything via internet. Yet.

What is the „spectre“ that in Laibach´s opinion today haunts the continent? Obviously it´s not communism anymore.

No, it’s not communism unfortunately; it is neoliberal capitalism, combined by political and cultural cynicism.

What is Laibach´s „Euro-vision“?

L: OK, that’s a big question, so here’s a big answer: there are two options for Europe: either it will be divided and swallowed by politically and economically more aggressive systems (US, China, Russia, etc.) or the European idea and unity will prevail. But to step on the winning path Europe needs to change, it needs a revolution. The true utopia is that goals of social justice, financial stability and environmental sustainability can be achieved within the parameters of the global capitalist system. The real causes of the people’s misery, after all, are not caused by the corruption of a few hundred politicians or the greed of a few thousand bankers, but in the structural dynamics that enable and reward such behavior in the first place.

Today’s crisis cannot be solved by regulation — or ‘cosmetic surgery’ of any kind. It can only be solved by transformation into a different system altogether. Capitalism as we know it is an exhausted, drained out, cynical system and cannot find the way out of the cul-de-sac. We sincerely hope that the idea of United Europe can be saved. Not the cold Europe of the Brussels political technocracy and banking sectors, operating according to the dictates of neoliberal dogma, but a re-politicized Europe, founded on a shared emancipatory project. The European Union must find the right balance between debate and consensus on an overall vision. That vision must permeate into all aspects of society. Without this vision Europe cannot progress and may actually decline.

The people of Europe need a new identity that carries both meaning and a sense of excitement about the future. This revolution is a spiritual one and it must come from the streets of Hamburg and Berlin, the streets of Paris and Athens, Istanbul, Kiev, Prague or Ljubljana. The vanguard of this revolution will be the youth of Europe and everybody, who cares about the future. More than ever, the reply to crisis should be more internationalist and universalist than the universality of global capital is. If Europe wants to survive and go further it has to risk more, even if it falls apart again. It seems that falling apart is actually Europe’s best way of constituting itself. Every time it tries to re-establish itself it fails better. And what we really need is Europe from Atlantic to Pacific.

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Die beiden (bislang unveröffentlichten) Interviews wurden im April 2014 per E-Mail geführt. Nicht zuletzt deshalb, weil Laibach zur schriftlichen Publikation gedachte Interviews grundsätzlich auch nur schriftlich gibt – und dann nur “als Kollektiv”. Die Antworten wurden (mit ganz wenigen Ausnahmen) unredigiert und völlig ungekürzt in den Text übernommen.

Die ursprüngliche Idee zu diesem Text stammt von David Reumüller.

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One comment

  1. […] de  titel van van zijn nummer is een van de meest verkeerd gespelde teksten in de muziekwereld. In een interview naar aanleiding van de release van Laibach’s cover ‘Opus dei – ‘Life is […]

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